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Kurzinformation zum Fachbeitrag

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Umgang mit Überschwemmungen
Björnsen Beratende Ingenieure GmbH, Koblenz,
Herr Dr. Boettcher, Kontakt: www.bjoernsen.de
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Einleitung
Das Projektgebiet umfasst die rezente Überschwemmungsaue, d.h. das Deichvorland vor den rheinland-pfälzischen Rheinhauptdeichen. In der folgenden Ausarbeitung werden vorrangig die Flächen zwischen Gewäs-serbett des Rheins und Rheinhauptdeich betrachtet, die unmittelbar von der Abflussdynamik des Rheins betroffen sind und die unmittelbar auch Auswirkungen auf die Abflussdynamik des Rheins haben. Nur kurz aufgezeigt werden zudem die Auswirkungen der Überschwemmungen quer zur Flussachse über die Rheinhauptdeiche hinaus, wie die Auswirkungen auf die Grundwasserverhältnisse hinter dem Deich und damit auf die Nutzungen hinter dem Deich, sowie die Problematik von extremen Hochwassern, Katastrophenhochwassern (Überschwemmung der gesamten Rheinniederung bis zum Hochgestade infolge Überströmen des Rheinhauptdeichs oder/und Deichbruch). Eine differenziertere Betrachtung dieser Problemstellungen erfolgt in einer späteren Projektphase.

Überschwemmungen sind der Motor der Auenentwicklung. In Abhängigkeit der Abflussdynamik im Rhein tritt Rheinwasser je nach der vorhandenen Geländestruktur (Höhenverhältnisse) aus dem Gewässerbett aus, strömt in Gewässer in der Rheinaue, überschwemmt mehr und mehr die seitliche Flächen. Mit steigendem Wasserstand wird schließlich der Raum bis zum Rheinhauptdeich überschwemmt, durchströmt. Die Geländestruktur prägt die Überschwemmungsbedingungen (Strömungsverhältnissse), wie die Strömungsverhältnisse wiederum die Geländestruktur prägen. Gestaltende Teilaspekte der Strömung sind die Häufigkeit, die Höhe, die Dauer und der Zeitpunkt der Überschwemmung sowie die Strömungsgeschwindigkeit in Verbindung mit den Schubspannungen, die ab einer bestimmten, vom Material abhängigen Größe, Feinstkörner, Sand, Kies bis zu ganzen Steinen abtragen (erodieren), transportieren und bei Unterschreiten dieser Größe wieder ablagern (sedimentieren).
erschwemmungen

Die rezente Überschwemmungsaue ist einerseits Naturraum, ein Lebensraum für Flora und Fauna von aussergewöhnlicher Artenvielfalt und an-dererseits ein vom Menschen genutzter und im Sinne der Nutzungen umgestalteter Kulturraum, ein Lebens- und Wirtschaftsraum für den Menschen. Heute ist der Rhein die wichtigste internationale Binnenwasserstraße in Europa, am Rhein liegen Häfen (für die Berufs-, andere für die Sportschiffahrt) sowie Kraftwerke. In der rezenten Überschwemmungsaue in Rheinland-Pfalz wird Land- und Forstwirtschaft betrieben, es finden sich vereinzelt Einzelhäuser, einige Campingplätze und Wochenendhaussiedlungen für den erholungssuchenden Menschen, Kieswerke und eine Vielzahl von Infrastruktureinrichtungen wie Wege und verschiedene Leitungstrassen. Die verschiedenen Nutzungen beschränken den Naturraum "Überschwemmungsaue" auf wenige Flächen und sie behindern zudem auch seine natürlichen Entwicklungsmöglichkeiten.

Überschwemmungen sind der Motor der natürlichen Auendynamik, sie lassen überhaupt erst einen derartigen Naturraum entstehen. Überschemmungen bringen zudem den verschiedenen anthropogenen Nutzern Nutzen, aber auch Schaden, wobei in der Vergangenheit der Rhein im Sinne eines verbesserten wirtschaftlichen Nutzens durch den Menschen ausgebaut wurde. Heute finden sich demnach die Nutzungen in der rezenten Überschemmungsaue, bei denen, die einzelnen Nutzungen für sich betrachtet, der materielle Nutzen den Schaden überwiegt. Hierbei wird jedoch lediglich der monetäre Bewertungsmaßstab betrachtet und anderer, nicht monetär bewertbarer Nutzen, z.B. der Gewinn an Lebensqualität, bleibt unberücksichtigt.

Als wesentliches Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der rezenten Überschwemmungsaue aus Sicht des Umgangs mit Überschwemmungen gilt es, möglichst viele räumliche Situationen zu entwickeln mit einem deut-lichen gesamtheitlichen Nutzen (ökologisch, ökonomisch und sozial) für alle Nutzer, also einem nachhaltigen Gewinn an Lebensqualität. Ziel muß es sein, die vorhandenen Potentiale effektiv zur zukunftsgerichteten Entwicklung/Förderung der vom Wasser geprägten Region mit seinen typischen Besonderheiten zu nutzen. Hierbei muß immer im Sinne der AGENDA 21 der Grundsatz der Nachhaltigkeit und die damit verbunde-nen Anforderungen an die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen im Vordergrund stehen. Der Nutzer bzw. der Nutznießer ist hierbei nicht nur der vor Ort lebende und wirtschaftende Mensch, sondern es ist auch der Oberlieger und es ist der Unterlieger, es ist die Solidargemeinschaft der Gewässeranlieger am rheinland-pfälzischen Rhein sowie auch am Mittel- und am Niederrhein.

In den folgenden Ausführungen werden auf der Basis einer Literaturrecherche und Gesprächen mit Fachleuten Leitgedanken / Visionen für einen zukünftigen Umgang mit Überschwemmungen entworfen. Anschließend erfolgt eine Analyse, wie aktuell mit Überschwemmungen im Projektgebiet umgegangen wird und welche Verbesserungsmöglichkeiten es vor dem Hintergrund der Visionen gibt, im Hinblick auf eine Verminderung von Schäden und einem Zugewinn an sowohl einzelnem, wie auch insbesondere ganzheitlichen Nutzen. Abschließend erfolgen Hinweise auf weiterführende Literatur und auf Experten (Institutionen, Personen).

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