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Voraussetzungen und Möglichkeiten für landwirt-schaftliche und landwirtschaftsnahe Nutzungen in den Überschwemmungsauen am rheinland-pfälzischen Oberrhein
RegioComun - Institut für integrierte Raumentwicklung
e.V., Universität Mainz, Herr Prof. Dr. Heidt,
Kontakt: v.heidt@geo.uni-mainz.de
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Einleitung
Multifunktionalität als Zielsetzung für die Auenentwicklung

Laut GEPP sind Auen (bzw. die noch verbliebenen natürlichen Auenreste) als "....multifunktionelle und volkswirtschaftlich bedeutsame Flächen zu werten...." (GEPP 1985).
Zu ihren wichtigsten Funktionen für Mensch und Natur gehören:
· Ausstrahlungswirkung auf angrenzende Räume durch klimamildernde Einflüsse (erhöhte Luftfeuchtigkeit, Frostmilderung), als Laich-, Brut- und/ oder Schlafstätte sowie Nahrungsquelle für zahlreiche zwischen verschiedenen Naturräumen migrierende Tierarten
· Für die Trinkwassergewinnung wichtige Funktionen wie Grundwasseranreicherung und Reinigung des Grundwassers sowie der Fließgewässer
· Retentionswirkung und Geschiebeaufnahme im Hochwasserfall sowie Vorflutaktionen bei hohen Grundwasserständen
· Luftreinhaltung durch Aufnahme von Luftschadstoffen
· Forst-, land- und fischereiwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten
· Hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz durch hohe Biodiversität sowie als Refugialräume für seltene Arten
· Vielfältiges Angebot an Möglichkeiten für Naherholung und Naturerleben sowie die Bereicherung des Landschaftsbildes (vgl. GEPP 1985).

Indem er einerseits die wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten (durch Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, Tourismus und Nahererholung) sowie andererseits ihren Wert als Ent-lastungsräume für angrenzende, dichter besiedelte Bereiche hervorhebt, zeigt GEPP die vorhandenen Potenziale von Auengebieten auf.

Bislang wurden Auenlandschaften jedoch vorrangig aus Sicht der Wasserwirtschaft und des Naturschutzes betrachtet. Die Rolle der Landwirtschaft und deren Bedeutung in der rezenten Aue konnte in dieser sektoralen Sicht oftmals nicht umfassend betrachtet und bewertet werden. Daher wird der Einbindung der Landwirtschaft und landwirtschaftsnahen Nutzung zum Erhalt der "Kulturlandschaft rezente Aue" im Rahmen dieses Projektes besonderes Augen-merk geschenkt.

Es gilt nun unter Beachtung der oben genannten Gesichtspunkte nach GEPP, eine möglichst nachhaltige und wirtschaftliche Form der Landbewirtschaftung der verbliebenen Auenflächen zu finden. Ziel des Projektes ist die Konzeption von landwirtschaftlichen sowie landwirtschaftsnahen Nutzungsperspektiven in der "Kulturlandschaft rezente Aue", wobei das Prinzip der Multifunktionalität die Grundlage darstellt.

Mit der Einführung des Multifunktionalitäts-Konzeptes durch die Landwirtschaftsminister der Europäischen Union am 5./6. März 1998 wurde anerkannt, dass die Landwirtschaft neben ihrer primären Aufgabe der Nahrungsmittel- und Faserproduktion zahlreiche weitere Funkti-onen erfüllt. Hierzu zählen u.a. die Gestaltung und Pflege der Kulturlandschaft aber auch die sozioökonomische Stabilisierung der ländlichen Gebiete durch landwirtschaftliche Nutzung.

Die politischen Rahmenbedingungen für eine stärkere Betonung der multifunktionalen Leistungen der Landwirtschaft werden durch den Ausbau der zweiten Säule der EU-Agrarpolitik im Rahmen der Agenda 2000, die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes und den rheinland-pfälzischen Entwicklungsplan "ZIL - Zukunftsinitiative für den ländlichen Raum für den Zeit-raum 2000 - 2006" festgelegt.

Die Landwirtschaft ist Teil der Kulturlandschaft "rezente Rheinaue" und sollte erhalten bleiben. Gerade in sensiblen Bereichen wie den rezenten Auen trägt die Landwirtschaft jedoch eine besondere Verantwortung, so dass den multifunktionalen Nutzungen der Landwirtschaft eine höhere Bedeutung zukommt. Das Teilprojekt D im Rahmen der IRMA I-Aktivitäten greift diese Problematik auf und ist darauf ausgerichtet, die zukünftige Rolle der Landwirtschaft bei der "multifunktionalen Entwicklung von Überschwemmungsauen" herauszuarbeiten. Es werden verschiedene Nutzungsalternativen für die Landwirtschaft aufgezeigt und deren Per-spektiven diskutiert. Zielvorstellung dabei ist die Erhaltung der Kulturlandschaft "rezente Rheinaue" mit der Landwirtschaft als integralem Bestandteil.

Die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion verlangt nach Nutzungsformen, die den Ansprüchen von Ökologie, Ökonomie und Sozialem gerecht werden.


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