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Auen mit Zukunft – über den Tellerrand geschaut
Beispiel „De Gelderse Poort“

Zum Glück müssen wir in Rheinland- Pfalz die „multifunktionale Auennutzung“ nicht neu erfinden. Es gibt bei unseren Nachbarn Beispiele für inspirierende, motivierende und vor allem funktionierende „Pionierarbeit“.



An der deutsch-niederländischen Grenze wird auf 21.000 Hektar eine beispielhafte Verzahnung von Naturschutz, wirtschaftlicher Nutzung und Tourismus praktiziert. Ende der 80er Jahre wurde „De Gelderse Poort” als Pilotprojekt ausgewiesen. Die ursprüngliche Flusslandschaft sollte wieder hergestellt werden und großflächige Naturgebiete sollten entstehen.

Die grenzüberschreitende Gesamtplanung lässt Spielraum für unterschiedliche Herangehensweisen. Während auf der deutschen Seite Landwirtschaft und Naturschutz auf den gleichen Flächen kombiniert werden, setzt man im 11.000 Hektar großen niederländischen Gebietsteil auf eine klare Trennung von Landwirtschaft und Naturschutz. Die Konzepte ergänzen sich und zeigen, dass beide Wege richtig sein können. Der landschafts- und naturbezogene Tourismus hat sich im Gesamtgebiet zu einem bedeutenden und ständig wachsenden Wirtschaftszweig entwickelt.

Wirtschaftlich gesunde Betriebe
„De Gelderse Poort” hat eine Jahrhunderte lange landwirtschaftliche Tradition. Weil es am Niederrhein normalerweise nur Winterhochwasser gibt, wurde der Auwald schon im Mittelalter zur Anlage von Grünland gerodet. Die Viehwirtschaft prägt noch heute die Landschaft.

Eine Untersuchung im deutschen Gebietsteil aus dem Jahr 1995 zeigt, dass die Betriebe zu den wirtschaftlich gesündesten in Nordrhein- Westfalen gehören. Teilweise nehmen sie an Vertragsnaturschutzprogrammen teil: Sie verpflichten sich zu einer extensiven Nutzung, etwa für die Mutterkuhhaltung mit festgeschriebenen Auftriebszeiten und Besatzstärken, und erhalten für den Verzicht auf die Intensivnutzung Ausgleichszahlungen vom Land und der Europäischen Union.

Naherholung und Tourismus
Der Tourismus schafft Arbeitsplätze in Beherbergungs- und gastronomischen Betrieben, ferner durch besondere touristische Angebote wie Kutsch- und Bootsfahrten. Die Möglichkeit zur Direktvermarktung wird beispielsweise von einem spezialisierten Landwirt genutzt, der Ziegenmilch und -käse am Hof verkauft und Touristen mit dem Angebot von Betriebsbesichtigungen lockt.

„De Gelderse Poort” ist vorwiegend für Kurzurlaube interessant. Die vielfältige und reizvolle Landschaft mit Wiesen, markanten Gehölzgruppen, Wasserflächen und Weidetieren ist durch ein grenzüberschreitendes Fuß- und Radwegenetz erschlossen. Es gibt Angebote, das Gebiet per Boot, Pferd und mit der Kutsche oder dem Planwagen zu erleben. Und es bestehen Möglichkeiten zum Baden, Angeln und Campen. Zur hervorragenden touristischen Infrastruktur gehören Fahrradverleihe und Besucherinformationszentren.

Eine besondere Attraktion ist die halbwilde Haltung von Galloway-Rindern und Konik- Pferden im „Millingerwaard“, einem Sandund Dünengebiet entlang des Rheins. Die Besucher können sich frei zwischen den „urig” aussehenden Tieren bewegen, was für Stadtbewohner ein echtes Abenteuer ist. Der „Millingerwaard” zeigt, welche Lebensraumvielfalt die Hutelandschaften vergangener Jahrhunderte boten; er deutet auch an, wie einst die ausgerotteten Großsäuger Wisent und Ur die Landschaft geprägt haben könnten.

>> weiterführende Informationen









http://www.gelderse-poort.de/







 
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